FAQ und Wissenswertes
zum Berufsbild des Übersetzers und Dolmetschers


Wie viele Übersetzer und Dolmetscher gibt es in Deutschland?

Nach verschiedenen Quellen liegt die Zahl der sozialversicherungspflichtig tätigen Dolmetscher und Übersetzer in D bei ca. 7000 - 8000, davon ca. 80 % in Vollzeitbeschäftigung. Etwa 2/3 von diesen verfügen über eine anerkannte Berufs- oder Hochschulausbildung.


Wo und wie arbeiten Übersetzer und Dolmetscher?

Die Mehrheit von uns Übersetzern und Dolmetschern ist nicht fest angestellt, sondern freiberuflich selbstständig tätig. Wir sind die „typischen Home-Officer“ mit eigenem Büro, eigener Verwaltung und Ausstattung. Wir erhalten unsere Aufträge direkt von Auftraggebern aus der Verwaltung, dem Verlagswesen oder aus der freien Wirtschaft sowie von Privatpersonen. Auch arbeiten wir für Agenturen (große vermittelnde Übersetzungsbüros). Nur ein ganz geringer Teil von uns arbeitet angestellt in Agenturen. Agenturen behalten einen i.d.R. größeren Anteil des Honorars für sich selbst ein.


Welche Kompetenzen bringt ein professioneller Übersetzer und Dolmetscher mit?

Ein Profi-Übersetzer und / oder Dolmetscher hat über Jahre und Jahrzehnte eine entsprechende Ausbildung an Universität oder Fach(hoch)-Schule genossen, Auslandsaufenthalte und anspruchsvolle Prüfungen absolviert. Dazu gehört nicht nur die linguistische Kompetenz (Grammatik, Syntax, Semantik, Lexik, Idiomatik, Textlinguistik etc.), sondern auch ein gutes Wissen über Kultur, Geschichte, Politik, Verwaltung und Gesellschaft der jeweiligen Länder.
Ferner muss jeder Übersetzer und Dolmetscher seine angewandten Techniken beherrschen: Software-Programme (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen, CAT-Tools, Terminologie-Datenbanken etc. für Übersetzer, Kabinen, Pulte, Kopfhörer, Mikrofone etc. für Dolmetscher).

Literaturübersetzer:

Die Tätigkeit der Literaturübersetzer ist äußerst anspruchsvoll, erhält aber meistens nicht die ihr gebührende richtige Ein- und Wertschätzung und auch nicht die ihnen eigentlich zustehende Vergütung. Die gute, idiomatische, kulturell und literaturwissenschaftlich angemessene Übersetzung einer „normalen Buchseite“ in einem anspruchsvollen Roman kann bis zu 3 Arbeitsstunden in Anspruch nehmen. Da ist ein Durchschnittslohn von 20-30,00€ pro Buchseite keinesfalls angemessen.
Ohne Übersetzer bleibt fremdsprachige Literatur für die Mehrheit der internationalen Leser „ein Buch mit sieben Siegeln“.

Ein Zitat von Maurice Blanchot dazu:
„Sollte man zu Recht oder zu Unrecht weiterhin sagen: hier sind die Dichter, da die Romanautoren, ganz zu schweigen von den Kritikern, die allesamt für den Sinn der Literatur verantwortlich sind, so muss man zugleich die Übersetzer als Schriftsteller der rarsten und wirklich unvergleichlichsten Art hinzuzählen.“

Wie werden Übersetzer- und Dolmetscherleistungen vergütet?

Vergütungen für Übersetzungen

Übersetzungen werden auf der Grundlage der in der Zielsprache übersetzten Textmenge vergütet, in Deutschland erfolgt dies i.d.R. nach Zeichen bzw. Normzeilen (53 oder 55 Anschl. inkl. Leerzeichen = 1 Normzeile). Dieser Umfang wird digital ermittelt und kann naturgemäß erst nach abgeschlossener Arbeit feststehen.
Je nach Zielsprache können sich %uale Verringerungen oder Erweiterungen des übersetzten Umfangs ergeben. So z.B. sind romanische Sprachen analytische Sprachen (analytisch = Einzelwort-Bedeutungen in der Grammatik) und fallen immer um ca. 15-30% länger aus als die synthetischen anglo-germanischen Sprachen (synthetisch = Flexionen und Komposita). Daher wird i.d.R. bei einer Anfrage ein Kostenvoranschlag erstellt. Bei größeren und immer wiederkehrenden Umfängen sind auch Pauschalen möglich.

Abrechnung für Übersetzungen

Auch eine Abrechnung nach Zeitaufwand ist möglich, wenn es sich um Korrekturlesearbeiten, Post-Editing (von maschinell erstellten Übersetzungen) und das Überarbeiten von bereits angefertigten Übersetzungen handelt. Post-Editing und Überarbeitungen von Übersetzungen sind – entgegen langläufiger Meinung – aufwändiger und mühevoller als das flüssige Übersetzen, da dies ein ständiger Abgleich zwischen Ausgangs- und Zieltext ist, der eine äußerst hohe Konzentration erfordert und niemals dieselbe fließende, einheitliche Qualität einer Neuübersetzung liefert.

Formatierungen der Übersetzungen

Formatierungs- und DTP-Arbeiten usw. erfordern meistens recht viel Zeit und können daher nicht immer kostenlos bereitgestellt werden. Die Berechnung dafür erfolgt dann nach Zeitaufwand.
Selbstverständlich spielen Textart und Schwierigkeitsgrad (allgemeinsprachlicher Text, technischer oder juristischer Text, Werbetext, Patenttexte usw.) sowie Dringlichkeit im Verhältnis zur Textmenge (ggf. Wochenendarbeit usw.), Umfang und Häufigkeit der Aufträge usw. eine Rolle bei der Preisfestlegung; wie in jedem anderen Beruf auch.

Ein ermächtigter Übersetzer ist grundsätzlich berechtigt, die aktuell geltenden Sätze des JVEG (Justiz-Vergütungsgesetz) zu verlangen.

Vergütungen für das Dolmetschen

Dolmetschen wird nach Stunden- und Tagessätzen berechnet und vergütet. Je nach Einsatzgebiet, Schwierigkeitsgrad, Vorbereitungsaufwand und Dauer können diese zwischen 40,00 € und 100,00 € / h im Stundensatz sowie 500,00 € und 800,00 € im Tagessatz liegen. Je nach Einsatzort (sofern nicht über eine virtuelle Plattform) können gesetzl. KM-Pauschale, Reisezeit-Kosten und Übernachtungs-/Verpflegungskosten anfallen. Pauschalangebote sind möglich.
Bei Dolmetsch-Einsätzen ist stets zu beachten, dass diese einen bisweilen hohen und intensiven Vorbereitungsaufwand (Fachterminologie, Einarbeitung in das Fachgebiet) erfordern. Dieser ist i.d.R. in der o.g. Preisgestaltung enthalten.